✝️ Gonka Yordanova, 31 Jahre – 22. November 2023, Koblenz, Rheinland-Pfalz 🇩🇪💔

Wie die Staatsanwaltschaft mitteilt, war nachts ein Notruf bei der Rettungswache Koblenz eingegangen. In einer Wohnung gegenüber des Landesamt für Soziales befinde sich eine Frau, die Hilfe benötige. Das Haus ist seit langer Zeit einschlägig für illegale Prostitution bekannt und wird auch in AO-Foren erwähnt. Vor allem Frauen aus Osteuropa gehen hier der Prostitution nach. Es gab in der Vergangenheit mehrere Ermittlungsverfahren.

Nach notärztlicher Erstversorgung der bereits bewusstlos und mit Herzstillstand vorgefundenen Gonka, sei sie in ein Koblenzer Krankenhaus gebracht worden, wo sie noch im Laufe der Nacht verstorben sei. Gonka wies bei Eintreffen des Notarztes einen „katastrophalen Gesamtzustand“ auf mit schwersten Verletzungen am ganzen Körper. Die Obduktion ergab demnach, dass sie vor ihrem Tod über einen längeren Zeitraum wiederholt misshandelt und letztlich zu Tode gequält wurde. Gonka habe in den vergangenen Monaten mehr als 50 Knochenbrüche, Verbrennungen und innere Verletzungen erlitten. Sie sei regelmäßig mit Fäusten und Besenstielen geschlagen sowie erniedrigt, gequält und gefesselt worden.

Die 31-Jährige habe in der gemeinsamen Wohnung im Badezimmer auf dem Boden gelebt, dort habe sie auch ihre Freier bedienen müssen. Die Wohnung durfte sie laut Anklage mindestens seit einem halben Jahr nicht mehr verlassen.

Am 22. November 2023 sei Gonka an einer Bauchfellentzündung gestorben. Zu diesem Zeitpunkt habe sie am gesamten Körper massive Verletzungen gehabt, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Die anschließenden Ermittlungen hätten die Polizei zu zwei dringend Tatverdächtigen geführt, die im selben Haus wie das Opfer lebten und offenbar auch seit Jahren im Rotlichtmilieu tätig seien: Eine 40-jährige Frau und ein 47 Jahre alter Mann. Bei den Ermittlungen seien unter anderem auch Fotodateien gesichert worden. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Beschuldigten ihr Opfer über einen langen Zeitraum gequält und misshandelt haben und dabei den Tod der wehrlosen Frau zumindest billigend in Kauf genommen haben. 

„Die sichergestellten Fotos wie auch das äußere Erscheinungsbild des gequälten Opfers sind selbst für erfahrene Ermittler verstörend und offenbaren eine menschenverachtende Grausamkeit, die erschütternd und abstoßend ist“, so der Leitende Oberstaatsanwalt, Mario Mannweiler.

Die beiden Angeklagten kommen laut Staatsanwaltschaft, ebenso wie das Opfer, aus Bulgarien und waren seit vielen Jahren im Rotlichtmilieu in Koblenz tätig. Ihre menschenverachtenden Taten sollen sie den Angaben zufolge fotografiert und dabei auch neben ihrem Opfer posiert haben. Eine Auswertung der Smartphones habe ergeben, dass die Bilder regelmäßig an Verwandte und Freunde in Bulgarien und Österreich geschickt worden seien.

Eine Kriminalhauptkommissarin hat im Koblenzer Landgericht als Zeugin zu Protokoll gegeben, dass sie 2016 in Nürnberg in eine Ermittlung involviert gewesen sei, in der auch die Namen der nun in Koblenz Angeklagten – und auch der des Opfers – eine Rolle gespielt hätten. Nach Schilderungen der Kommissarin hatte vor etwa acht Jahren eine andere bulgarische Prostituierte in Nürnberg mit der Hilfe eines Freiers heimlich die Polizei gerufen. Den Beamten habe die Frau berichtet, so die Ermittlerin weiter, dass sie zur Prostitution gezwungen werde – und zwar von den zwei nun in Koblenz Angeklagten. Halil A. habe sie zudem geschlagen und auch vergewaltigt, erhob die Prostituierte weitere Vorwürfe – und erstattete Anzeige. Die aus Bulgarien stammende Frau hatte laut Angaben der Nürnberger Kommissarin 2016 angegeben, dass ihr eigentlich ein Job als Bedienung in Nürnberg versprochen worden sei. In Deutschland angekommen, habe sich dies als Lüge entpuppt. Sie sei zwangsprostituiert worden. Von dem so verdienten Geld habe sie nie einen Cent gesehen.

Wie Dokumente der Polizei beweisen, war in der Prostituiertenwohnung in Nürnberg 2016 auch die nun in Koblenz mutmaßlich durch die Angeklagten zu Tode gequälte 31-jährige Gonka als Prostituierte tätig gewesen. Ob freiwillig oder nicht, darüber gab es laut der Kommissarin 2016 sich diametral gegenüberstehende Angaben. Die Anzeigenerstatterin behauptete, dass Gonka ebenfalls durch Gewalt zur Prostitution gezwungen worden sei. Das durch die Prostituierte 2016 in Gang gekommene Verfahren war nach Informationen unserer Zeitung 2017 wieder eingestellt worden, weil die Anzeigenerstatterin damals nicht mehr auffindbar, vielleicht ausgereist war.

Im Tatortgebäude wohn(t)en und arbeite(te)n weitere Prostituierte. Eine von ihnen gab als Zeugin an, keinen Kontakt zu den Angeklagten gehabt zu haben, weshalb sie auch nicht viel wisse. Bei einer Nachbarschaftsbefragung Ende 2023 klang das indes alles noch ganz anders. Die Zeugin soll Halil A. damals bei der Polizei als „böse“ beschrieben und angegeben haben, dass es gut sei, dass er nun weg sei nach der Verhaftung. Die Zeugin bestritt im Gericht jedoch, dies damals so gesagt zu haben. Auch die folgenden Sätze, die laut Polizei während der Nachbarschafbefragung durch die Frau zu Protokoll gegeben worden sein sollen, will die Zeugin damals so nicht gesagt haben: „Die dünne Frau musste rund um die Uhr arbeiten. Ich hatte Mitleid mit ihr. Es waren immer zwei Männer dort anwesend, die haben ihr auch das Geld kassiert. Das habe ich selbst schon einmal gesehen.“

Eine weitere Zeugin schilderte im Landgericht, dass das spätere Opfer sie bei zwei Gelegenheiten heimlich um Essen angebettelt habe. Die Frau gab weiter an, dass sie Gonka einmal vier bis fünf Scheiben Toast und an einem anderen Tag etwas Schokolade zugesteckt habe. Die 40- jährige Angeklagte Kibariya K. soll davon aber Wind bekommen, bei der Zeugin geklopft und geschimpft haben, dass sie Gonka nichts mehr zu essen geben solle.

Besonders eindrucksvoll war die Zeugenaussage eines Mannes, der in der Nähe der Angeklagten wohnt. Er hatte eigenen Angaben zufolge stets einen guten Blick auf die Terrasse von Halil A. und Kibariya K. Das spätere Opfer, so der Zeuge, habe dort häufig Wäsche aufhängen und Möbel rücken müssen. Der Mann beschrieb Gonka als „sehr krank wirkende Frau“. Sie sei sehr „wackelig“ auf den Beinen gewesen.

Im Landgericht wurden im Anschluss öffentlich Bilder des Opfers zu Lebzeiten gezeigt. Der verheerende physische Abbau über nur wenige Monate ist schlicht herzzerreißend. Der Zeuge, der Gonka auf der Terrasse mehrfach gesehen hatte, schätzte das Alter der 31-Jährigen damals auf 84 Jahre.

Bewegt von dem brutalen Schicksal des Opfers fand zwischenzeitlich eine Mahnwache am Richard-Wilke- Platz statt, an der laut Organisatoren mehr als 50 Menschen teilnahmen. Zum Gedenken und Trauern an die Verstorbene wurde ein Kranz niedergelegt, Kerzen wurden entzündet, und in Redebeiträgen unter anderem auf die fehlenden Sicherheitsvorkehrungen für Prostituierte und Gewalt an Frauen aufmerksam gemacht, heißt es auf Nachfrage.

Von Redaktion

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